Gebete
Hoffnung ist nicht Optimismus,
nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht,
sondern die Gewissheit, dass etwas einen Sinn hat,
egal, wie es ausgeht.
Je schöner und voller die Erinnerung,
desto schwerer ist die Trennung.
Aber die Dankbarkeit verwandelt
Die Erinnerung in eine stille Freude.
Man trägt das vergangene Schöne
Nicht wie einen Stachel,
sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.
Es gibt einen einzigen Zugang
zum Geheimnis des Ewigen Wandels:
Das ist der Tod.
Es gibt keinen anderen.
Wir werden geboren, um zu sterben –
das ist wahr.
Aber wir sterben, um zu leben –
das ist auch wahr.
Unser Bild vom Tod schließt das Wissen ein,
dass der Kern der Person nicht stirbt,
sondern seiner ewigen Bestimmung entgegen geht.
Trost kommt mit der Gewissheit,
dass in jedem Schicksal
auch die Kraft liegt, es zu meistern.
Ich habe den guten Kampf gekämpft,
ich habe den Lauf vollendet,
ich habe Glauben gehalten.
Die Blätter fallen, fallen wie von weit…
Wir alle fallen…
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
Unendlich sanft in seinen Händen hält.
Mögen sich die Wege vor Deinen Füßen ebnen,
möge der Wind immer in Deinem Rücken sein,
möge die Sonne warm Dein Gesicht bescheinen,
mögen die Regentropfen sanft auf Deine Felder fallen,
und bis wir uns wieder sehen,
halte der Ewige Dich im Frieden Seiner Hand.
Wenn der fluss ins meer mündet,
hört er auf, fluss zu sein,
aber er stirbt nicht.
kein tropfen geht verloren,
nur sein wasser zieht größere bahnen
=== Mediatha ===
Die Geschichte Geranes
So kam es in der blühenden Zeit nie dazu, daß jemand starb oder verging, bevor seine Zeit gekommen war. Immer war alles Teil des Ganzen und floß Alles in Allem ein. So wie es Hydracor gefällig war.
Doch als das Böse in die Welt kam und die Vielfalt und Völle des Lebens durch seine Ketten und Schranken anfing zurückzudrängen, da geschah es, daß den Kindern Hydracors großes Unheil widerfuhr. Viele von ihnen fielen unter der Wut und den Waffen ihrer Feinde.
Da stieg Hydracors Tochter Mediata aus den Tiefen des Meeres hervor. Sie schritt hinan zu einem Feld, welches getränkt war vom Blute vieler Gläubiger, welche gefallen waren im Kampf gegen das Böse. Ein kleiner Junge mit Namen Geranes, welcher die Schlacht überlebt hatte, saß dort über den Körpern seiner Eltern, die Augen feucht vor Tränen Und als sie den Tod und die Zerstörung sah, welche geschehen war, weinte sie. Der treue Geranes sah die Göttin und spürte die Macht ihrer Trauer, welche ihn in seinem tiefsten Innersten erzittern ließen. Und sie sprach zu ihm:
„ Geranes du, der du hier deine Eltern verloren has,t so höre nun meine Worte:
Jene, welche hier hinübergeschritten sind in die ewigen Fluten Hydracors,
Jene, welche hier hinausgerissen wurden aus dem ewigen Wandel Hydracors,
Sie sollen wiederkehren, sie sollen zurückgebracht werden, damit sie hier auf Erden wieder teilhaben können am ewigen Wandel von Allem in Allem.“
Und großes Rauschen und Flügelschlagen war zu hören. Und der Himmel verfinsterte sich, als Mediata die Arme erhob und ihren Vater anflehte um die Seelen der Gefallenen. Und ein großer Wind erhob sich über dem Feld, als Hydracors Atem selbst die seelenlosen Hüllen der Toten streifte und ihnen neue Kraft und ihren alten Geist wiedergab.
Da weinte der kleine Geranes wieder, doch diesmal vor Glück, daß ihm seine Eltern wiedergegeben worden waren.
Mediata aber ging zu ihm und reichte ihm den Kelch, welcher ihre Tränen aufgefangen hatte und sprach:
„ Dies ist Liquor. Das Gefäß der Seelen der Verstorbenen und das Tor zu den ewigen Fluten Hydracors. Du, Geranes, der du die Macht meines Vaters spürtest, und der du erfüllt bist vom wahren Glauben, du sollst diesen heiligen Kelch tragen, auf daß die Menschen ihn ehren und seine Kraft erkennen. Doch höret alle:
Was heute geschah, war ein Geschenk Hydracors an euch alle. Niemals wieder wird es einem Menschen vergönnt sein, aus den ewigen Fluten wieder aufzutauchen.“
Geranes, der nun Liquor in den Händen hielt und von dieser Macht übermütig wurde aber sprach:
„Niemals? Was, wenn einer von uns noch einmal hinfortgetragen wird, ohne seinen Teil am Ganzen zu erfüllen?
Sind den wir mehr wert weil wir jetzt sind als jener der dann sein wird?“
Mediata schwieg, denn sie spürte die Macht ihres Vaters.
Und aus dem Kelch in Geranes Hand schoß eine große Fontäne hervor, an dessen Ende sich auf gar wundersame Weise das Haupt das Göttlichen zeigte. Und seine donnernde Stimme, welche Berge zu ebnen vermag sprach:
„Wer glaubst du zu sein, daß du deine irdische Stimme erhoben hast und von deinem Gott forderst, was kein Sterblicher hoffen darf? Ich schenkte euch das, was euch am höchsten ist. Euer Leben. Ich schenkte es euch aus Liebe zu meiner Tochter. Doch wisset: Dadurch wurde der Kreislauf gestört, von Leben, Tod und Geburt. Nun, Geranes: wenn ich dich gefragt hätte: Was ist dir lieber: Dein Leben oder das deiner Mutter, was hättest du gesagt?“
„Das meiner Mutter, Oh Herr!“
„Und wenn ich dich gefragt hätte: Was ist dir lieber: Dein Leben oder das deines Vaters, was hättest du gesagt?“
„Das meines Vaters, Oh Herr!“
„Nun, so sei es. So wie geschrieben steht Auge um Auge und Zahn um Zahn, so schreit auch nieder Leben um Leben und Tod um Tod.“
Und als die Wassersäule, welche das Bild Hydracors in sich getragen hatte, gänzlich wieder in Liquor, welcher sie hervorgebracht hatte, verschwunden war, da war Geranes tot.
Doch die Herzen seiner Eltern waren erfüllt mit Freude, denn ein neuer Bund war geschlossen.
Leben um Leben und Tod um Tod.
