Die Moloch

Kategorie: Sagen und Legenden Veröffentlicht: Mittwoch, 27. Januar 2010 Geschrieben von Tom Spuck

Man sagt, dass die Moloch noch nie an einem Hafen angelegt hat, sie kommt aus keiner Werft unserer Welt. Ein Schiff wie ihr sicher noch niemals eines gesehen habt, sie besteht vollständig aus blankem Metall, aus Stahl der so glatt poliert ist, dass nicht einmal Muscheln an ihrem Rumpf halt finden.
Es gibt Geschichten, in denen wird behauptet, der ewig Flammende, Pydracor, habe dieses Schiff erschaffen um all jene zu peinigen, die auf See durch seine Vasallen den Tod finden. Es heißt, die Seelen der Toten Seemänner würden dort bis ans Ende der Zeit von ihm festgehalten, so dass sie nicht in die ewigen Fluten eingehen können.

Die Moloch ist riesig, groß wie eine Stadt und ihr Inneres ist erfüllt mit endlosen Bergen schwarzer Kohle, die gefangenen Seelen stehen vor gigantischen Brennöfen und verbringen ihre Zeit auf der Moloch damit, die Kohle in die niemals satten Mäuler des Drachen zu schaufeln, Spaten um Spaten. Sie haben Hunger, aber sie können nicht verhungern, sie haben Durst, aber sie können nicht verdursten. Sie werden müde, aber sie können niemals schlafen.
Die Seelen der Toten sind unter Deck gefangen, hinter diesen Wänden aus Stahl, keine Fenster gibt es, nicht einmal Ritzen durch die man nach draußen sehen könnte. Sie hören das Meer nur noch, das ständige Rauschen, das Wehen des Windes, Wellen die gegen das Schiff branden.
Und sie verzehren sich vor der Sehnsucht nach Freiheit, vor der Sehnsucht danach, den rauen Wind wieder im Gesicht spüren zu können, den salzigen Nachgeschmack der Gesicht auf der Zunge zu schmecken. Sie leiden die Qualen ihres Todes immer und immer wieder, in dem sie sich nach dem Meer sehen. Dieses Schiff hat keine Segel, nichts das es antreibt. Nein, niemand weiß, wie sich die Moloch auf See bewegt, wie sie manövriert, nicht einmal ein Ruder hat sie. Nur diese ewig hunrigen Mäuler aus Stahl mit den grässlichen Drachenfratzen, die immer weiter nach schwarzer Nahrung verlangen.
Irgendetwas tief im Inneren des Schiffes gibt furchtbare, ratternde Geräusche von sich, laut und hallend über das Meer.
KLACK RATATATATA KLACK RATATATATA!

Daran kann man sie erkennen. Daran und an dem Nebel. Auf dem Schiff gibt es ganz genau neunundneunzig riesige, blank polierte Schornsteine aus Stahl, die Nüstern der Moloch. Dort oben quillt der unsägliche Dampf der verbrennenden Kohle zusammen mit dem Schweiß der geschundenen Seeleute heraus und verbreitet sich über das Meer, wallt nach allen Seiten hin.
Manche erzählen sich, dass sich in diesem Nebel Häscher verstecken, kalte, nasse Hände, die einen ahnungslosen Seemann bei der Schulter packen und zu den armen Seelen auf die Moloch zerren. Dorthin, wo es kein Entkommen gibt und keine Erlösung. Dorthin, wo man niemals schläft, wo die Träume und Hoffnungen die man hat zu Halluzinationen werden, die einem erscheinen, die man sieht und nicht berühren kann. Dorthin wo man irgendwann alle Hoffnung fahren lässt und sich nurnoch in dem Stumpsinn des Kohleschaufelns wiederfindet.